Ich joggte in Wald und Flur so für mich hin,
Entspannung durch Anspannung war mein Sinn.
Im Rhythmus des Laufens verfiel ich Trance.
Schwalben flogen um mich her,
vergeblich nach Mücken suchend,
der Menschen Naturvernichtung verfluchend.
Da kam flugs eine Schwalbe im Tiefflug auf mich zu,
riss ihren Schnabel weit auf,
packte und steckte mich in ihren Kehlsack,
versetzte mich mit Verdauungsenzymen
und trug mich flugs zu ihrem Nest.
Dort wartete mit weit aufgerissenem, gelb leuchtendem Schnabel
und aufgeregtem Zwitschern ein Junges.
Die Mutter – oder war es der Vater? – stopfte mich
in den jungen Schwalbenschnabel.
Rasch wurde ich verschlungen.
Kräftige Muskel zerkleinerten mich im Magen,
Säfte bearbeiteten die zerriebene Masse,
lösten Teile aus ihr und führten sie ins Blut.
Was dann noch von mir blieb,
waren Kotballen, umhüllt von einer schleimigen Schicht.
Sie wurden vom Vater – oder war es die Mutter? – aus dem Nest geworfen
und platschen auf den Boden und zerplatzen,
noch rechtzeitig vor der Haustür,
wo ich soeben meinen Lauf beendet hatte.
Was für eine Erfahrung, was für ein Erlebnis!
Ich möchte sie nicht missen,
diese Auflösung und diese Entspannung.
Auf das Joggen morgen bin ich gespannt.
Werde ich wieder zum Futter werden
für eine von uns bedrohte Art auf unserer Erden?
Wie lange noch kann mich diese Erfahrung entspannen?
Wenn Dein Körper meldet,
er sei müde,
glaub ihm nicht! Glaube ihm nicht!
Er sagt es nur, weil er will,
dass Du ihn ins Bett bringst,
und er schlafen will.
Gib nicht nach!
Mach einfach weiter!
Wie geht’s?
Danke, es geht.
Wie läuft’s?
Danke, es läuft.
Wie sprintets?
Danke, es sprintet.
Wie lahmt’s?
Danke, es lahmt.
Sie zügelte ihren Appetit,
er gab dem seinen die Sporen.
Danke für die Einladung!
Das Essen war – wie soll ich sagen – es fehlen mir die Worte –
es war unsagbar –
unsagbar – ja das trifft’s genau!
Das ist ein seltener Gast,
dem, was er niemals sagt,
unser Essen nicht passt.
Und weil ihm unser Essen nicht passt,
ist er ein seltener Gast.
Am Abend komme ich nach Haus,
ziehe meine Stiefel aus,
schlüpf in meine Schlapfen
und hau mich in die Hapfn.
In eins, zwei, drei, vier
ist der Schlaf bei mir.
Schreit der Hahn kikeriki
weckt er‘s Federvieh und mi.
Ich springe aus der Hapfn,
schlüpf in meine Schlapfen,
ziehe meine Stiefel an,
und gehe aus dem Haus.
„Und wann isst Du?
Und wo scheißt und pischt Du?“
„Dazu hab ich keine Zeit!“
schreit er
im Laufen und Schnaufen,
ohne sich umzudrehen.
Herr Doktor, ich habe starke Schmerzen im linken Bein.
So schlimm wie jetzt war es noch nie.
Na dann, so schauen wir einmal,
wo die Schwachstelle liegt:
Strecken! – Au!
Beugen! – Au!
Drehen nach rechts! – Au!
Nach links! – Au!
Die Diagnose ist ganz klar:
Das Knie ist Ihre Achillesferse.
„Lieber Herr Weinberger“, sagt der Doktor,
„es ist jetzt wieder an der Zeit,
dass wir Blut, Harn und Stuhl untersuchen.“
„Gut, Herr Doktor“, sagt Herr Weinberger,
„aber die Leberwerte braucht’s nicht,
die waren schon bei meiner Geburt in Ordnung.“
Die Zahnärztin empfängt mich freundlich.
„Nehmen Sie Platz!“
Dann wird’s militärisch:
„Mund auf!
Kopf zu mir drehen!“
Der Bohrer pfeift,
der Speichelsauger schlürft.
Vorbei ist’s mit der Freundlichkeit.
Die Rechnung zeigt:
Es war kein Freundschaftsdienst.
Die Zahnärztin verabschiedet mich freundlich.
Was für ein Glück, dass ich ein Hypochonder bin!
Mein Organismus ist überfordert,
kann sich nicht entscheiden,
welche der vielen Krankheiten er ausbrüten soll.
Und so bleib ich gesund.
„Warum trinkst Du so hastig den Wein?“
„Weil ich dem Rausch zuvorkommen möchte.“
„Er kommt ja dann doch, der Rausch,
kannst ihm nicht entkommen.“
„Doch kann ich das!
Ich bin ihm voraus
und bevor er mich einholt,
trinke ich schnell das nächste Glas
und bin ihm schon wieder voraus.“
„Na Prost!“
Ich habe studiert.
Ich bin Universitätsprofessor geworden,
meine Arbeiten haben viel Anerkennung gefunden.
Ich habe eine liebe Frau und zwei Söhne.
Wir besuchen Theater und Konzerte.
Ich verbringe schöne Stunden in meinem großen Freundeskreis.
Jetzt bin ich in Pension und habe endlich Zeit,
in Therapie zu gehen und endlich herauszufinden,
wer ich bin.
Ich bin schon sehr gespannt,
was dabei rauskommt!