Redewendungen

Angewandte Redewendungen

Damals steckte die Stiefelproduktion noch in den Kinderschuhen.

Beim Anblick der verfaulten Äpfel stiegen ihm die Grausbirnen hoch.

Als er die Sirene heulen hörte, läuteten bei ihm die Alarmglocken.

Das Kaninchen hoppelte wie ein Angsthase.

Der Delphin fühlt sich im Wasser wohl wie ein Fisch.

Die Ratte ist mausetot.

Ein Vogel im Klimawandel kommt auf keinen grünen Zweig.

Der Dichter konnte sich keinen Reim darauf machen.

Wolf und Tiger sind wie Hund und Katz zueinander.

Er brachte sie um die Ecke nach Hause.

Unser Kater stiehlt, er ist ein falscher Hund.

 

Kombination von Redewendungen

Er blickte dem Tod ins Auge,
doch kam er mit einem blauen Auge davon.

Der frühe Vogel hat Gold im Mund,
der Wurm wird gefangen zur Morgenstund.

Der frühe Wurm fängt den Mikroorganismus,
der frühe Vogel fängt den Wurm,
die frühe Katze fängt den Vogel.

Wer begreift,
wer den Cent nicht ehrt,
ist den Euro nicht wert,
bei dem ist der Groschen gefallen.

Solang noch nicht aller Tage Abend ist,
kann man die Tage vor dem Abend loben.

Wohin kommen wir da,
wenn wir immer der Nase nach gehen?

Während er Maulaffen feilhielt,
flogen ihm die gebratenen Tauben ins Maul.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer,
ein Atom macht noch kein Weltall.

Mit einem Wurm ist nicht gut Kirschenessen.

Früher oder später ist es später,
aber es ist eher früher später als später später.

Gerade als er sich auf die Socken machen wollte,
haute es ihn aus ihnen.

 

Ersparnisse

Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.
Der Kochlöffel in der Küche erspart die Köchin.
Der Fingerhut im Nähkästchen erspart den Schneider.
Der gute Tropfen im Glas erspart den Winzer.
Der Ehering am Finger erspart die Heirat.
Der Pfarrer im Beichtstuhl erspart die Reue.
Die Rute im Fenster erspart die Hiebe.
Das innige Liebesgedicht erspart die Geliebte.
Die Flasche Wein im Haus erspart den Psychotherapeuten.
Das Undsoweiter erspart weitere Beispiele.

 

Verdrehungen

Die Letzten beißen die Hunde und die Hunde beißen die Letzten.
Räder haben es satt, immer wieder neu erfunden zu werden.
Dächer bieten den Spatzen die Bühne, damit sie von ihnen pfeifen können.
Mäuse feiern gerne Kirtag.
Kirchen beherbergen arme Mäuse.
Eulen finden es überflüssig, nach Athen getragen zu werden.
Bären macht es Spaß, jemandem aufgebunden zu werden.
Wölfe freut es, wenn jemand mit ihnen heult.
Armsein ist für einen Wurm kein Vergnügen.
Hunde lehnen es ab, dass auf sie gekommen wird.
Anteile nehmen es hin, dass sie von Löwen gefordert werden.
Begraben liegende Hunde sehnen sich danach, gefunden zu werden.
Richtige Pferde sind stolz, wenn auf sie gesetzt wird.
Steine, die gehöhlt werden wollen, wünschen sich einen steten Tropfen.
Der Mund hat’s gar nicht gern, wenn Worte in ihm verdreht werden.
Eine Leitung versteht nicht, warum jemand auf ihr steht.
Einige Register protestierten dagegen, gezogen zu werden.
Eine Wolke weigerte sich, den Überraschten aus ihr fallen zu lassen.
Kirchenmäuse fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Das Gras freut sich, beim Wachsen gehört zu werden.

 

Sandgeriesel

Der Sandmann kam zu spät,
das Kind war bereits eingeschlafen.

Er streute ihr Sand in die Hühneraugen.

Zugetan mit Leidenschaft und Liebe,
leider aber Sand im Triebe.

Wasser gibt’s im Meer wie Sand am Meer.

Er hat ihr Vermögen in den Sand gesetzt,
in den sie zuvor ihren Kopf gesteckt.

In jeder Wahrheit steckt ein Körnchen Sand.

Die Hexe servierte einen vergifteten Sandwich.

Die Soldaten in den Schützengräben dachten,
sie machten Krieg im Sandkasten
und übten bloß das Sterben.

Der Sandlaufkäfer hat sich im Sand verlaufen.

Auch ein blinder Hornist findet manchmal ein Horn.

Auch ein Farbenblinder findet manchmal ein Rot.

Unter den Einäugigen ist der Zweiäugige König.

 

Schattenspiele

(Hommage an Adelbert Chamisso)
Beim Joggen heute früh,
da lief ein langer Schatten an meiner Seite mit mir mit.
Ich freute mich über den Gefährten,
der mich begleitet und den Rausch des Laufens mit mir teilt.
Doch als wir eine Kurve nehmen,
plötzlich überholt er mich
und läuft ganz freche vor mir her.
Ich heftete mich an seine Fersen,
er ließ mich nicht an seine Seite kommen:
je schneller ich wurde,
desto schneller wurde auch er.
Völlig kam ich außer Atem und spürte,
ich kann bald nicht mehr.
Ich wollt ihm in den Hintern treten,
doch entkam er meinem Tritt mit einem Sprung.
Ihn loszuwerden ist mir nicht gelungen,
es gelang mir nicht,
über den Schatten zu springen,
als wärs mein eigener.
Wird er morgen in der Frühe wieder kommen?

Wo, Peter Schlemihl,
kann ich den Herrn im grauen Mantel finden,
der mir den Schatten nimmt?
Ich schenk ihn ihm,
den Säckel voll mit Geld, ich brauch ihn nicht.
Ich hasse Konkurrenz,
ich hass es, nicht der Beste zu sein.

 

Das Hörgerät

Die Großmutter musste dem Großvater etwas sagen,
der konnte jedoch sein Hörgerät nicht finden.
Er sagte zu seinem Enkel:
„Du, leihe mir Dein Ohr!“
Der Bub hatte ein offenes Ohr und lieh es ihm,
doch ihn juckte das Ohr,
er wollte wissen, was die Großmutter so wichtiges zu sagen hatte.
So nahm er ein scharfes Messer und spitzte das eine Ohr,
das er noch hatte, und war ganz Ohr.
Als der Bub sein Ohr zurück haben wollte,
stieß er beim Großvater auf taube Ohren.
Der Großvater saß auf den Ohren,
er hatte mit dem Ohr des Buben so gut gehört
und wollte es ihm auf keinen Fall zurückgeben.
„Wer hat Dir denn diesen Floh ins Ohr gesetzt“, rief der Bub.
Er ließ nicht locker und lag dem Großvater ständig im Ohr,
drohte: „Du wirst noch von mir hören!“
Der Großvater sagte bloß:
„Jammere mir nicht die Ohren voll!
Bei mir stößt Du auf taube Ohren.“
„Ich werde Dir die Ohren lang ziehen und Dir eins hinter die Ohren geben“,
drohte der Bub.
„Das will ich nicht gehört haben,
so spricht man nicht mit seinem Großvater,
schreib Dir das hinter die Ohren!“
„Ich verspreche Dir“, lenkte der Bub nun ein,
„ich werde Dir in Zukunft immer mein Ohr leihen,
wenn Du Dein Hörgerät nicht finden kannst.“
„Das kann sich hören lassen,“ sagte der Großvater endlich.
„Ich weiß, Du hast es faustdick hinter den Ohren,
aber Du wirst ja wohl nicht Deinen alten Großvater übers Ohr hauen.“
Und er gab dem Buben das Ohr zurück.
Damit verging ihm das Hören,
aber nicht das Sehen,
und so konnte er sich auf die Suche nach seinem eigenen Hörgerät machen.

 

Getrennte Wege

Vom Ruck-Zuck
nahm er sich den Ruck
und gab ihn sich,
gab seinem Herzen einen Stoß,
sprang über seinen Schatten.
Er strotzte vor Kraft
und schlug der Welt ein Loch.
Auf Teufel komm raus
schlug er sich durch
und hat es zu etwas gebracht.

Zurück aber blieb der Zuck.
Der zuckelte allein herum
wie ein alter Bummelzug.
Er hatte allen Mut verloren,
ließ alle Hoffnung fahren
und kam vom Wege ab,
geriet ins Hintertreffen,
blieb schließlich auf der Strecke.

Nach Jahren kreuzten sich ihre Wege.
Sie waren einander fremd geworden:
Voll Prunk und Pracht der eine,
ein Häufchen Elend der andere.
Ihre Blicke mieden einander,
nur Verachtung hatten sie füreinander.
Ruck zog seines Weges weiter als ein kühner Recke,
Zuck blieb nur übrig zu verrecken.
Ruck und Zuck,
sie waren auf ewig geschiedene Leut.

Damit die Geschichte nicht ein zu trauriges Ende nehme,
lasst uns einen Ausweg finden!
Ruck und Zuck waren einander nicht fremd geworden.
Sie standen auf Augenhöhe gegenüber,
ihre Blicke sagten mehr als tausend Worte.
Sie erinnerten sich an alte Zeiten
und schwelgten in Glücksgefühlen.
Sie fielen einander in die Arme,
und teilten von nun an gute und schlechte Tage.
„Wahre Freundschaft darf nicht wanken.“
Davon konnten sie nun ein Liedchen singen.

 

Zwei Herzen

„Ich habe“, erzählt er, „ein großes Glück“,
und lehnt sich ganz entspannt zurück.
Sein Leben, sagte ihm der Doktor,
hänge nur an einem Seidenfaden.
Und diese Nachricht war für ihn ein Horror.
Worin, so fragte er, bestehe denn der Schaden?
Er habe, war die Antwort, eine Kardiomyopathie,
höchst gefährlich wäre die.
Sein Leben hänge ab von der Spende eine Organs,
andernfalls sei es mit ihm bald zu ende.
Er brauche eine Herztransplantation,
doch die Operation sei risikoreich.
Da wurde er ganz bleich.
Der Doktor fragte, wie er sich denn entscheide,
ob er die Operation denn möchte oder meide.
„Die Antwort, Herr Doktor, fällt mir schwer.
Zwei Herzen schlagen da in meiner Brust.“
Der Doktor drauf: „Ja lieber Herr,
das habe ich ganz übersehen.
Nichts Besseres konnte Ihnen ja geschehen,
andre Wege können wir da gehen:
Wir entfernen das kranke Herz aus Ihrer Brust
und das zweite, falls gesund,
übernimmt und schlägt mit Herzenslust.“
„Ich hatte“, sagt der Patient, „ein großes Glück“,
und lehnt sich ganz entspannt zurück.

 

Genussmittel?

Zeitlebens schaute er zu tief in Glas,
drum biss er früh ins Gras.
Ebenso früh biss ein anderer auch,
aber aufgrund von Zigarettenrauch.

 

Schülerbeurteilung

„Bevor ich Dich benote“, sagte der Lehrer,
„muss ich nachdenken, wie dumm Du bist:
saudumm
stockdumm
strohdumm
oder dumm wie eine Gans
dumm wie ein Esel?
Schließlich sind jetzt verbale Beurteilungen geboten,
sie seien, heißt es, gerechter als Ziffernnoten.“

 

Hündische Redewendungen

Beißende Hunde schlafen nicht,
schlafende Hunde bellen nicht.

Der begrabene Hund liegt da!

Rex ist ein bunter Hund bei den Katzen.

Rex, lass mich verschnaufen, dein Herrl ist hundemüde.

 

Herr und Hund

(Hommage an Thomas Mann)
Der Hund macht ein Trümmerl auf den Weg,
das Herrl putzt es weg.
Dann machen sich beide nach Haus auf den Weg
mit einem Stück für die Fäkaliothek.

 

Der grüne Klee

Im Winter gibt es Eis und Schnee,
als Nahrung bleiben für das scheue Reh
der Bäume harte Rinden bloß.
Diese lobt das Reh über den grünen Klee,
den es jetzt nicht finden kann.

 

Im Vorbeilaufen

Die Lange Zeile entlang laufend.
Ältere Frau das Schnipseln an der Hecke unterbrechend:
„Brauchst net rennen,
die Mess is scho ausgwesn.“
„Wie bitte?“
Schon wieder an der Hecke schnipselnd:
„Guten Morgen“

 

Ratlosigkeit

Ich bin ein Schwein,
darf ich zu mir nicht sagen.
Wär eine Beleidigung, Diskriminierung der Schweine,
nicht political correct.
Was aber soll ich dann zu mir sagen?