(Hommage an Erich Fried)
Israel hört nicht,
Israel sieht nur Kampfgenossen und Feinde,
kennt keine Freunde.
Israel kann nicht hören.
Geschlagen einst,
von Auslöschung bedroht,
wehrlos,
der Impuls, sich zu wehren,
zurückzuschlagen,
war durch Gewalt der Peiniger blockiert damals.
Totale Ohnmacht damals.
Und jetzt?
Lebt der Reflex zurückzuschlagen,
damals gehemmt durch die Übermacht der Mörder,
als blinder Reflex fort?
Von Generation zu Generation?
Wacht er auf,
wenn sich Widerstand zeigt?
Macht er blind für anderer Leid und Interessen?
Höre, Israel!
(Hommage an Alfred Grosser)
„Wie ist es möglich, dass Angehörige eines Volkes,
das durch den Holocaust ein so unermessliches Leid erfahren hat,
so wenig Empathie für die Anliegen eines anderen Volkes haben kann.“
„Stelle diese Frage nicht!
Es ist nicht erlaubt, sie zu stellen.“
„Warum nicht?“
Hundert Jahre Kampf gegen einen übermächtigen Feind,
was hat er aus Eurem Volk gemacht,
Freunde in Palästina?
Terroristen und Islamisten hat er hervorgebracht
in Eurem Volk.
Euer Terror ist eskaliert.
Habt Ihr bewusst riskiert,
ausradiert zu werden?
Das träfe sich gut,
denn Euer Land, so winzig es auch schon geworden ist,
dieser Rest
wird gebraucht.
Resteverwertung.
Was hat die Terroristen zum siebenten Oktober getrieben?
Wollten sie zeigen,
wozu sie imstande sind?
Oder wozu der Gegner imstande ist?
Sie wussten doch, wie ihre Tat enden wird!
Hundert Jahre Kampf gegen einen übermächtigen Feind,
was hat er aus Eurem Volk gemacht,
Freunde in Palästina?
War es nicht mehr auszuhalten für Euch,
alleingelassen zu sein von aller Welt,
jahrzehntelang?
Packte Euch der Todestrieb?
Hundert Jahre Kampf gegen einen übermächtigen Feind,
was hat er aus Eurem Volk gemacht,
Freunde in Palästina?
Was wäre aus Euch geworden,
hättet Ihr keinen Widerstand geleistet,
von Anfang der jüdischen Besiedlung an kein Widerstand,
einfach nur die Siedler gewähren lassen,
sich ausbreiten lassen in Palästina,
ihnen freien Lauf gelassen?
Gäbe es heute keinen jüdischen Staat,
sondern einfach einen Staat auf palästinensischem Boden?
Wärt Ihr heute gleichberechtigte Bürger in diesem Staat?
Hättet Ihr Euren Grund und Boden behalten?
Wäre das Westjordanland heute nicht mit israelischen Siedlungen durchsetzt?
Wären Politik und Wirtschaft heute nicht israelisch dominiert?
Wärt Ihr heute nicht Lohnarbeiter in jüdischen Betrieben?
Hättet Ihr mehr eigenen Raum zur Verfügung,
in dem Ihr Euch ungehindert bewegen könnt?
Hättet Ihr keinen Widerstand geleistet,
von Anfang der jüdischen Besiedlung an kein Widerstand,
einfach nur die Siedler gewähren lassen,
wären dann aus Euch gleichberechtigte Menschen geworden,
die sich frei entfalten können?
Siedler unterstützt von der Regierung, zerstören palästinensische Häuser,
nehmen sich Stück für Stück und schließlich wohl ganz das Westjordanland.
Der Gazastreifen bombardiert,
in Schutt und Asche gelegt.
Sollen palästinensische Terroristen erzeugt werden?
Wie lange werdet Ihr es noch moralisch aushalten, Israelis,
dass Siedler und Armee zuschlagen,
töten,
zerstören?
Ist Euer Ziel ein Groß-Israel,
wie’s in der Founding Charter of Likud steht?
Between the Sea and the Jordan there will only be
Israeli sovereignty.
Settlement of the land Judea, Samaria and Gaza
is a clear expression of the unassailable right of the Jewish people to the Land of Israel.
Ungestraft darf dies in die Welt hinausgerufen werden,
jene aber, die rufen
from the river to the sea Palestine will be free
werden als Antisemiten kriminalisiert.
Antiwas ist der Likud?
I.
Israel-Palästina-Konflikt?
Dazu sage ich nichts,
ich will doch kein Antisemit sein!
Soll ich sagen, die israelische Gewalt lässt mich kalt,
die Palästinenser verdienen ihr Leid,
handeln sie doch aus reiner Bosheit,
ohne Grund und irgend ein Anliegen,
von purer Aggression getrieben?
Sagte ich dies,
niemand würde mich beschimpfen.
II.
Denk ich an der Siedler Kälte,
mit der sie Land gewaltsam okkupieren,
denk ich an jene Israelis, die dies unterstützen oder tolerieren,
denk ich an jene Juden auf der Welt, die dazu schweigen,
dann frage ich mich:
Sind sie wirklich israelbezogene Philosemiten?
III.
Kritiker Antisemiten nennen.
Verhindert das zu bedenken,
was geschieht?
Soll es möglich machen,
es geschieht weiterhin, was geschieht?
Luftangriffe, Militäroffensive im besetzten Westjordanland,
Großoffensive mit Drohnen, gepanzerten Fahrzeugen und Bulldozern,
Krankenhäuser als Angriffsziele von Hubschraubern und Raketen,
tausende Palästinenser und Palästinenserinnen auf der Flucht,
Helfern der Zutritt in Flüchtlingslagern verwehrt.
Lebensmittelhilfen gesperrt.
Es ist ein Opfer,
ein Opfer seiner eigenen riesigen, digital gerüsteten Militärmaschinerie.
Diese Maschinerie lässt keine andere Möglichkeit zu,
als über Satelliten Ziele anzusteuern,
mit Flugzeugen und Raketen zu bombardieren,
aus Panzern Granaten abzufeuern,
alles in Schutt und Asche zu legen.
Anders kann man mit einer solchen Militärmaschinerie nicht kämpfen.
Doch Israels Armee ist nicht feige wie seine Gegner,
die sich in Wohnhäusern, Schulen, Krankenhäusern verstecken.
Wieder ein Wohngebäude abgerissen,
wieder eine Schule mit Bulldozern zerstört,
wieder ein Luftangriff auf Gaza,
diesmal mit nur neun Toten.
Wie viele Tote gab’s seit 1949 auf palästinensischer,
wie viele auf israelischer Seite?
Wie viel Land wurde im Westjordanland bereits besiedelt?
Nicht geraubt?
Folgt jetzt die Annexion?
Wie dies über Jahre hinweg aushalten?
Seit neuestem packen mich bei jeder Gewaltattacke Israels
Krämpfe.
Zuerst ein Weinkrampf,
dann ein Wutkrampf,
dann ein Lachkrampf.
Ein Lachkrampf, der schmerzt,
in Tränen endet,
ein Weinkrampf.
Tunnelsystem
Hinterhalt
Kidnapping
Massaker
Palästinensischer Terror
Raub von Land
Panzer
Kampfflugzeuge
Bombenabwurf
Raketenangriff
zehntausende Tote
verhungernde Frauen, Männer, Kinder
Kein Terror?
Was für eine Frage!
I.
Seit mehr als 70 Jahren
ist es gezwungen,
sie zu töten.
Was treibt sie dazu an,
Israel auslöschen zu wollen?
Bosheit?
Antisemitismus?
Der Todestrieb?
II.
So lasst sie doch, die Siedler!
Sie machen’s ja nicht zum Spaß,
sie meinen’s ernst.
III.
Wir haben 100 Kampfjets,
Panzer, zielgesteuerte Artillerie, autonome Waffensysteme.
Wir verstecken uns nicht
in Schulen, Krankenhäusern und Gotteshäusern.
So etwas tun nur Feiglinge und Verbrecher!
Rüstet die Palästinenser mit den gleichen Waffensystemen aus,
wie Israel sie hat,
und schaut,
ob sie dann terroristisch kämpfen
und Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser
als Stützpunkte nutzen.
Wer einen blinden Gegner hat,
kann mit offenem Visier kämpfen.
70.000 Tote zu 1.200.
Ich habe mit bloß 24.000 gerechnet.
Eins zu zwanzig wie bis dahin wär genug,
habe ich gedacht.
Siebenter Oktober,
bestialisches Massaker der Hamas.
Wie heißt das,
was Israels Regierung und Armee
seit dem 7. Oktober in Gaza anrichten?
Stelle diese Frage, wenn Du in Kauf nehmen willst,
Antisemit genannt zu werden!
Wenn Du schon moralisch entsetzt sein willst,
schau nicht auf Israel,
schau auf die Verbrechen Putins in der Ukraine!
Doch!
„Täglich gibt es zehnmal mehr Opfer israelischer Bomben auf Gaza
als die Russen in der Ukraine verursachen.“
Schreibt ein Journalist*.
Solche Vergleiche ziemen sich nicht,
Raimund!
[*Raimund Löw, Falter 20/25]
Das haben sie jetzt davon,
die Palästinenser!
So gehört’s ihnen
für ihre Gräuel am siebenten Oktober!
Einen Konflikt im luftleeren Raum provozieren!!
Netanjahu, Du!
Tut’s doch nicht gar so wild herumschießen!
Ist es denn nicht rechtens,
alle, die sich ihnen in den Weg stellen,
die sie hindern wollen,
sich ihr Land zu nehmen,
zu vernichten?
Sie sind doch Terroristen,
verstecken sich vor Angriffen
in zivilen Einrichtungen,
zwingen sie,
alles in Schutt und Asche zu legen,
Frauen und Kinder zu töten.
Warum treten diese Feiglinge nicht offen heraus mit ihren Waffen,
treten nicht offen der israelischen Armee gegenüber,
wie diese es tut mit ihren Flugzeugen, Panzern und Raketen?
Sie versteckt sich nicht,
sie zeigt ihre Waffen,
kämpft mit offenem Visier.
Terrorismus ist ihr fern.
I.
Traumata machen gefühllos,
unempfindlich für fremdes Leid,
machen brutal,
traumatisieren andere:
jene, die im Wege stehen.
Traumatisierte stehen gegeneinander,
Gewalt gegen Gewalt,
Auslöschungswille gegen Auslöschungswille.
Traumatisierungsspirale.
II.
Weitere Siedlungen zersplittern das Westjordanland,
trennen Palästinenser von Palästinensern.
Palästinenser isoliert voneinander in zwei Gebieten.
Abgesiedelt bald aus Gaza?
Weiterer Zündstoff für weiteren Terror?
Weiterer Terror Zündstoff für weiteren Terror gegen Terror?
Weiter, und so weiter?
I.
Menschen, die sich selbst vertrieben haben,
eine Ethnie, die sich selbst gesäubert hat,
ein Volk, das sich selbst ermordet.
…
Unglaublich!
II.
Eine Million in Flüchtlingslagern geballt,
– sie sind doch freiwillig gegangen –
Landnahme der Siedler im Westjordanland,
– das Land war ja herrenlos und ungenutzt –
zwei Millionen in den Gazastreifen verbannt,
– da haben sie doch ihr eigenes Land –
wiederholt bombardiert,
– eine Antwort auf ihren Terror –
Ostjerusalem annektiert
– wollen sie doch ganz Jerusalem haben.
Auch Schutt und Asche
lassen sich in Schutt und Asche legen.
„Schau Dir dieses Bild da an!
Man sagt, das soll einst Gaza gewesen sein.“
„Eine technische Höchstleistung von Zerstörung ist das:
Alle Achtung!“
„Und dieses Bild! Was sagst Du dazu?“
„Eine Meisterleistung der Zerstörung: Perfekt!
Eine Kleinigkeit, so etwas zustande zu bringen, ist das nicht!“
„Und schau Dir einmal dieses Bild da an!“
„Respekt: Das kriegt nicht jeder hin!
Ich bin wie vom Schlag getroffen!“
„Und hier ein Panoramabild von einer Drohne aus großer Höhe!“
„Eine Bravourleistung höchsten Könnens: Ich fall aus allen Wolken!
Vor so viel Können vergehen mir Hören und Sehen!“
„Welch technisches Knowhow und welch großer Erfindergeist
sind da am Werk!
Und welche Leistung des Geheimdienstes!
Hut ab!“
„Ich bin überzeugt,
die israelischen Ingenieursleistungen sind den russischen weit überlegen,
auch ihre Leistungen in Organisation, Strategie und Taktik.“
Werft Ihr Steine,
brechen wir Euch Hände und Beine,
reißen Eure Häuser nieder,
bauen dort neue wieder
für uns
am selben Ort.
Verlasst Euch auf unser Wort!
I.
Anschlag palästinensischer Terroristen.
Zwei Tote israelische Soldaten.
Notwehr der israelischen Armee:
45 tote Palästinenser,
Stopp der Hilfslieferungen an die palästinensische Bevölkerung.
Unverhältnismäßige Reaktion?
Nein. Notwehr.
Kollektive Bestrafung?
Was soll das!
II.
Auch das lässt sich hören:
Ein Waffenstillstand mit bisher 1.283 toten und 4.248 verletzten Palästinensern,
100 tote Kinder.
Bitter nur:
Auch vier israelische Soldaten wurden getötet.
Verletzte und tote Palästinenser nach einem Siedlerangriff.
Pech! Am falschen Ort zur falschen Zeit.
Auch eine Moschee im Westjordanland
stand jüngst am falschen Ort zur falschen Zeit
und fiel dem Feuer anheim.
Selbst Feigenbäume können zur falschen Zeit am falschen Orte stehen.
„Die Gewalt des 7. Oktober war keine Reaktion auf israelische Gewalt.“
„Worauf war sie dann eine Reaktion?“
„Sie war überhaupt keine Reaktion.
Keine Reaktion auf nichts.
Die Gewalt entstand aus sich selbst,
im luftleeren Raum.“
„Da haben wir es: das absolut Böse!“
Wiederholt sich Geschichte vor unsern Augen?
Wer ist denn da der kleine David mit der Steinschleuder
und wer der hochgerüstete Riese Goliath?
Haben die beiden ihre ethnische Herkunft gewechselt?
Und siegt dieses Mal der Goliath
gegen den Steineschleuderer?