Die schlimmen Buben stahlen einer Schlange die Brillen,
da ward sie blind und eine Schleiche,
doch sie verkroch sich nicht in aller Stille,
sondern tappte herum und schlich umher,
um einen Optikermeister zu finden.
Natürlich war es schwer,
sich zielgerichtet in der Finsternis zu winden.
Und wie ein blindes Huhn das Korn
so fand sie einen Optikermeister in ihrem Zorn.
Die Dioptrien warn schnelle festgestellt
und eine Brille passend hergestellt.
Scharfen Blickes konnte sie nun wieder schlängeln
und nach den schlimmen Bengeln suchen.
Rache hatte sie im Sinn:
zwei Bisse und die Buben wären hin!
Sie fand das Haus, in dem die beiden wohnen,
schlafend lagen sie in ihren Betten da.
Doch als sie die Lausbubengesichter sah,
da konnte sie nicht anders, als sie zu verschonen.
Am Nachttisch fand sie ihre Brille,
die nahm sie fort mit sich.
Sie war jetzt sicherlich,
die einzige Brillenschlange mit einer Reservebrille.
Weil die junge Klapperschlange
mehr plapperte als klapperte,
riefen ihre Artgenoss:innen:
„Was plapperst Du denn da,
Du falsche Schlange!“,
entzogen ihr das K
und setzten ihr ein P vor ihre Nase,
sodass sie nun eine Plapperschlange war.
Da weinte die Plapperschlange lange,
dann rappelte sie sich auf,
sie hatte eine Idee.
Sie schlängelte hinunter zum rauschenden Bach,
entwendete der klappernden Mühle das K
und ihr Geklapper war wieder da.
Der Mühle gab sie stattdessen das P.
Hoch und heilig versprach das Klapperschlangerl,
nur noch zu klappern, nicht mehr zu plappern.
So wurde sie wieder aufgenommen
in den Kreis ihrer Artgenoss:innen.
Der Müller aber war sehr traurig,
denn seine Mühle plapperte jetzt am rauschenden Bach
plipp, plapp,
und das Plappern hielt ihn bei Tag und bei Nacht zwar wach,
aus Schmerz aber mahlte er kein Korn mehr zu kräftigem Brot,
so hatt‘ es eine große Not.
Doch welch ein Glück!
Es brachte der Storch den Müllersleuten ein Kindchen,
er klapperte laut.
Da hatte der Müller eine Idee:
Er nahm dem Storch vom Klappern das K
und gab es der Mühle, dem Storche aber das P.
Nun klapperte die Mühle wieder am rauschenden Bach, klipp, klapp.
Bei Tag und bei Nacht ist der Müller stets wach, klipp, klapp!
Er mahlet das Korn zu dem kräftigen Brot,
und haben wir dieses, so hat’s keine Not.
Der Storch war verbittert und rief mit klagender Stimme:
„Ein Kindchen in meinem Schnabel sehet ihr nimmer!“
Das ging den Leuten durch Mark und Bein:
so etwas dürfe doch niemals sein!
Die Klapperschlangen hatten Erbarmen
und boten dem Storch, das K zu geben,
das sie einst der plappernden Schlange genommen,
und baten ihn, seinen Babyliefer-Boykott zu stoppen.
Auf dieses Geschäft ging der Storch gerne ein,
wollte er doch kein Plappernder unter Klappernden sein.
Was ist nun das Ende der Geschicht?
Die junge Klapperschlange klappert mit dem K des Mühlrads,
das Mühlrad klappert mit dem K des Storchenschnabels,
der Storch wieder klappert mit dem K der kleinen Klapperschlange.
Kann man einen Unterschied hören?
Horch! Wer klappert hier?
Ist es die Schlange, das Mühlrad oder der Storch?
Ein Fisch sprang vom Teller auf den Tisch,
als er sah, dass Gabel und Messer ganz nah
auf ihn zukommen.
Um dem Gemetzel zu entkommen,
sprang er vom Tisch auf den Fußboden
und zappelte ganz schnelle
zu einem Bächlein helle
und sprang hinein ins nasse Wasser.
Das Schwimmen hatt‘ er Gottseidank
in der Bratpfanne nicht verlernt,
sodass er nicht ertrank.
„Erzähle mir doch kein Märchen!
Ich kann die Geschichte nicht verstehen,
wie soll denn das geschehen?
Der Fisch ist tot, gebraten,
springt vom Teller?
Ich glaub, Du bist ein Story Teller!“
„Das mag wohl sein,
doch für den Fisch war das End wohl fein.“
Kasperle verwandelt sich ganz leis und still
in ein fürchterliches Krokodil,
haut sich selbst dann mit der Keule
auf dem Kopfe eine Beule.
Von dem Schreien aufgeschreckt
eilt die Gretl schnell herbei:
mit der Zung geleckt die Wunden
und den Kopf fest eingebunden.
Mit einem zarten Kuss
ist‘s mit den Schmerzen Schluss.
Oh welch ein Glück!
Da hat die Gretel ihr lustiges Kasperle zurück.
Eine Marionette
hängt an einer Kette,
nicht an einer Schnur,
denn es reimt sich Schnur nicht auf Marionette,
nur Kette.
Das Spielen fällt der Marionette schwer,
vor allem einen Einbrecher.
Denn die Ketten rasseln laut,
wenn er etwas klaut,
und schnell eilt die Polizei herbei,
schnappt die Rasselmarionette
und legt sie in Kette.
Es war ihm unangenehm,
er musste zum Schulpsychologen gehen.
Der fragt: „Wo liegt denn Dein Problem?“
„Beim Lernen“, sagt er dem Experten,
„da hab ich starke Konzentrationsschmerzen.“
Du sagst, mein Sohn sei ungezogen:
distanzlos, frech, rechthaberisch,
ironisch und sarkastisch?
Mein Freund, wir haben daran gewiss keine Schuld,
hat er sich doch von klein auf ganz alleine,
ganz ohne unser Zutun selbst erzogen.
Auf diesem Foto ist mein Sohn noch sehr jung,
aber nicht so jung, wie ich einmal gewesen bin.
In der Hundehütte ist es dunkel,
in der Hundehütte ist es warm,
in der Hundehütte bin ich sicher,
Hexi sitzt davor und wacht.
Ich höre Rufe,
ich höre meinen Namen.
Ich meld mich nicht,
ich bleibe in der Hütte,
bleibe in der dunklen, warmen, sicheren Hundehütte.
Ist Hexi meine Mutter?
Meiner Mutter grad zu Fleiß
ich jetzt in die Hosen scheiß!
Meiner Mutter grad zum Trotz
ich von ihrem Essen kotz.
„Warum denn, Bub, tust mir das an?
Was habe ich dir bloß getan?“
„Wenn du’s nicht weißt,
wie soll‘s denn ich dann wissen,
ich kleines Kind?“
Oh Mutter, Mutter Du, wie dank ich Dir,
dass Du mich geschlagen hast wie ein Tier,
wie einen Zirkusbären, hast Du gesagt,
wie einen Büffel, einen Sack.
Bei mir, so hast Du gesagt,
habt ihr die Nachgeburt aufgezogen.
Was ist aus mir geworden?
Gern wäre ich des Öftern anderen an den Kragen,
dem Würgimpuls, der dir galt, Befriedigung zu geben.
Ich bin froh,
ich hab es nicht getan,
hab mich selbst geschlagen,
auch durchs Leben,
schlecht und recht.
So richtig lernte ich das Leben gar nicht lieben,
dank Deiner mütterlichen Hiebe.