Krieg und Frieden

Die Kriegsmaschine Tod

(Hommage an einen anonymen Dichter)
Es ist eine Kriegsmaschine, heißt der Tod,
hat G‘walt von Kapital und Politik.
Gewehre tun’s heut nimmer,
Flugzeuge, Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen
töten immer besser,
töten tausend Male mehr.
Viele Millionen müssen‘s erleiden:
Kinder, Lehrer, Lehrerinnen in den Schulen,
Mütter, Väter auf der Flucht,
Ärztinnen, Ärzte, Krankenschwestern in Spitälern.

Hütet Euch, Ihr Menschen!
Was heute noch als Stadt da steht,
morgen ist’s ein Trümmerfeld,
liegt in Schutt und Asche.
Viele Millionen ungezählt,
werden hingemäht.

Trotzt dem Töten der Kriegsmaschine!
Schafft Euch jenen friedlichen Garten,
auf den schon viele Generationen warten!

 

Der Krieg ein Videospiel

Faszinierend und reizvoll
Kriege als Videospiele am Smartphon.
Ich drücke auf den Knopf
und steuere mein Kampflugzeug:
auf Flughäfen,
Bahnlinien,
Energieanlagen,
Fabriken,
Wohnhäuser,
Krankenhäuser,
Schulen und Kindergärten.
Ein gruseliges Gefühl,
Gänsehaut erzeugend und schaurige Lust in mir erregend,
erfasst meinen Körper.
Rote Feuerbälle,
riesige Rauchwolken,
ein Regen aus Schutt und Asche sinkt herab
und verdeckt die Sonne.
Flughäfen,
Bahnlinien,
Energieanlagen,
Fabriken,
Wohnhäuser,
Krankenhäuser,
Schulen und Kindergärten,
fallen in sich zusammen,
sinken auf die Erde nieder in Schutt und Asche.
Männer laufen zu den Trümmern,
schreiend auf der Suche,
Leichen und Verwundete hervorziehend unter und zwischen Betonblöcken:
Tote Körper von Männern, Frauen und Kindern.
Männer, Frauen und Kinder weinen und klagen.

Faszinierend und unterhaltsam ist
so ein Krieg im Videospiel.
Früher hab ich gedacht,
was man da liest in Zeitungen
sieht am Fernsehbildschirm,
sei real:
die Kampfbomber,
das Bombardement der
Flughäfen,
Bahnlinien,
Energieanlagen,
Fabriken,
Wohnhäuser,
Krankenhäuser,
Schulen und Kindergärten
tote Männer, Frauen und Kinder,
weinende und klagende Frauen.

Als Nachricht im Fernsehen war all das nicht zu ertragen,
war deprimierend, niederschmetternd, trostlos,
verfolgte mich im Schlaf.
Jetzt weiß ich,
alles, was man da so auf Bildschirmen sieht, ist ein Spiel,
ein Videospiel bloß,
faszinierend und reizvoll,
gruselig,
Gänsehaut erzeugend, schaurige Lust erregend.

 

Ewiger Krieg

Der Menschheit Traum:
Der Tot stirbt aus.
Kriegführen und Töten können wir dann
nach Herzenslust!
Es ist ein vergnügliches Töten:
Die Erschossenen sind nicht tot,
Du kannst sie schreien hören
vor Schmerz
und leiden sehen
an ihren tödlichen Wunden.
Du bist in analogen Videogames,
die ewig dauern!
Spiele töten!
Spiele töten!
Spiele töten!

 

Krieg ohne Tote

Der Vater sagt, er hat im Krieg
niemanden erschossen.
Der Onkel sagt, er hat im Krieg
niemanden erschossen.
Die Nachbarn sagen, sie haben im Krieg
niemanden erschossen.
Ein Krieg mit 50 Millionen Toten
Und niemand hat getötet!

 

Frage an Schiller

Die Treue, sagst Du,
sie ist doch kein leerer Wahn.
Mag sein, Friedrich,
doch fürchterlich ist,
was sie anrichten kann.
Denk an die Gräuel,
die ausgelöschten Leben,
die an dem Schwure kleben:
„Meine Ehre heißt Treue!“

 

Kriege in luftleeren Räumen

Zu Israel-Palästina sage ich nichts.
Ich möchte nicht als Antisemit beschimpft werden.
Zu Russland-Ukraine sage ich nichts.
Ich möchte nicht als Putinfreund beschimpft werden.
Zu Israel-Palästina gibt es nur zu sagen,
die Terrorattacke der Hamas finden im luftleeren Raum statt.
Zu Russland-Ukraine gibt es nur zu sagen,
der Angriff Russlands auf die Ukraine findet im luftleeren Raum statt.
Luftleere Räume sind Räume ohne Vorgeschichte.
Luftleere Räume sind Räume mit einem einzigen Schuldigen.
Luftleere Räume sind Räume reiner Lust auf Aggression.
Luftleere Räume sind Räume des absolut Bösen.

 

Das absolut Böse

„Der Feind mordet, vergewaltigt, tötet Kinder,
legt Wohngebiete in Schutt und Asche,
zerstört die Infrastruktur meines Landes.“

„Worin besteht Euer Konflikt?“

„Siehst Du nicht, was für ein Ungeheuer er ist!
Er mordet, vergewaltigt, tötet Kinder,
legt Wohngebiete in Schutt und Asche,
zerstört die Infrastruktur meines Landes.“

„Warum tut er das?
Worum streitet Ihr?
In welche Auseinandersetzungen seid Ihr verwickelt?“

„Siehst Du nicht, welch ein Monster er ist?
Er mordet, vergewaltigt, tötet Kinder,
legt Wohngebiete in Schutt und Asche,
zerstört die Infrastruktur meines Landes.“

„Jetzt begreif ich’s:
Er mordet ohne äußeren Anlass und Grund,
alleine deshalb weil er böser Natur ist,
Lust am Töten hat,
die ganze Welt beherrschen will.“

„Du hast es begriffen:
Die Welt hat mit ihm das absolut Böse vor sich.
Sie muss mir beistehen,
das Böse zu vernichten.“

 

Postmoderner Pazifismus

„Befinden wir uns im Krieg?“

„Nein, wir liefern bloß Waffen.“

„Wenn wir Waffen liefern,
sind wir denn dann nicht am Krieg beteiligt?“

„Ja, wir sind beteiligt am Krieg,
aber wir sind nicht im Krieg.“

„Hurra! Es ist Krieg und wir gehen nicht hin!
Hurra! Es ist Krieg und wir beteiligen uns an ihm!“

 

Gute alte und schwierige neue Zeiten

Wo sind die guten alten Zeiten,
in denen Monarchen, Könige und Fürsten
Kriege führen konnten,
ohne Massenmörder, Kriegsverbrecher genannt zu werden?
Da waren zum Beispiel zwei,
die führten Krieg und verursachten 20 Millionen Tote.
War es das, was unser Kaiser damit meinte, als er sagte,
die Monarchie möge anständig zugrunde gehen?

Ein Kriegsverbrecher, unser Kaiser?
Nein, aber schöne Uniformen hatte er,
und einen Helm mit einem feschen Federbusch.
Das muss man ihm lassen!
Und hatte einen Backenbart mit freiem Kinn.
Noch heute können wir sie bewundern, die Aristokraten.
In Filmen über die guten alten Zeiten
können wir miterleben,
was sie schön gefunden haben
was sie sehr erfreut hat,
wie sie geliebt und wen sie geheiratet haben,
welche Pferde sie geritten,
welche Weine sie bevorzugt haben,
wie flaumig sie das Mousse au Chocolat mochten,
wie schwer sie es hatten, ihre Kriege zu finanzieren,
wie sie von der Untreue ihrer Untertanen,
ihrer Völker enttäuscht wurden.

Und heute?
Wie schwer haben es unsere Kriegsherren in Demokratien,
die bekanntermaßen gar keine Kriege führen,
weil sie keine Ansprüche gegenüber anderen Ländern haben,
sondern sich bloß verteidigen!
Da gibt’s den Internationalen Gerichtshof,
doch der kann ihnen nichts an, den Herren,
wenn sie ihre Kriege ordentlich und sauber führen,
wenn sie die Welt von Verbrechern säubern,
sei es mit Atombomben und Agent Orange,
Brandbomben, Antipersonenminen, Streumunition,
wenn es denn sein muss –
und es muss immer wieder sein.
Trotz einigem Widerstand schaffen sie es,
die Mehrheit der Bevölkerung für sich zu gewinnen,
wenn Krieg sein muss,
die Freiheit zu verteidigen.
Es gelingt, wenn die Bevölkerung einsieht,
dass deren Interessen ihre eigenen sind.

Ja, Kriegsherren haben es heutzutage schwer,
aber Kriege zu führen lohnt sich,
es lohnt, für Werte zu kämpfen
und zu töten,
wenn es sein muss.

 

Friedensjubel

Sieg! Sieg! Sieg!
Die Ukraine gehört jetzt zu uns,
zur demokratischen und freien Welt!
Der Preis war hoch,
hunderttausende Tote und
hunderttausende Krüppel.
Doch die Sache war’s wert,
hat doch die Welt ein Stück Demokratie und Freiheit
dazugewonnen.
Mit einer Verständigungspolitik
wäre das niemals gelungen.
Investitionen ungeheuren Ausmaßes können sich nun
über das Land ergießen,
Gewinne als Lohn für die Wohltäter fließen.

 

Alltag im freien Westen

Wir sitzen zusammen mit Freunden,
wir reden über Wein, Essen, Garten, Urlaubserlebnisse, e-Autos, Apps.
In Palästina, im Nahen Osten, in der Ukraine toben Kriege,
Dörfer und Städte werden in Schutt und Asche gelegt,
Frauen und Kinder getötet,
Soldaten zerfetzt und zu Krüppeln.
Wir sehen‘s im Fernsehen, auf unseren Smartphones,
jeder und jede sieht‘s.

Was wir gesehen haben:
Dörfer und Städte in Schutt und Asche gelegt,
Frauen und Kinder getötet,
Soldaten getötet und zu Krüppeln gemacht,
es ist in uns,
wenn wir mit unseren Freunden zusammensitzen,
über Wein, Essen, Garten, Urlaubserlebnisse, e-Autos, Apps reden.
Doch wir reden nicht über das,
was wir gesehen haben:
Dörfer und Städte in Schutt und Asche gelegt,
Frauen und Kinder getötet,
Soldaten zerfetzt und zu Krüppeln gemacht.
Es ist in uns, eingekapselt, abgeschottet.

Wir sagen: Furchtbar! Schrecklich!
Warum reden wir nicht davon, worum da gekämpft wird?
Weil wir nicht wissen, wie die anderen denken?
Warum reden wir nicht?
Weil wir nicht wissen, was man denken darf,
nicht denken darf?
Weil die Bilder grauenvoll sind,
stören,
wenn wir zusammensitzen mit unseren Freunden?
Warum reden wir nicht?
Weil es Tabus gibt?
Fragen auftauchen, die man nicht stellen darf?
Fragen nach dem Anteil des freien Westens,
in dem wir öffentlich und offen unsre Meinung sagen,
über alles miteinander reden können?

Reden wir nicht,
weil wir frei sind von allem?

 

Kolonialisierung

Wir haben Euch Kultur gebracht.
Wir haben mit geraden Grenzen große Länder für Euch geschaffen.
Wir haben für Euch Bodenschätze erschlossen
und nehmen sie Euch ab.
Wir liefern Euch Waffen zu Eurem Schutz.
Und was macht Ihr?
Ihr schießt aufeinander!

 

Kompetenzverteilung

Die Bevölkerung ist nicht kompetent,
über Rüstung und Verlängerung des Wehrdienstes abzustimmen.
Sie ist kompetent,
zu kämpfen,
zu töten,
getötet zu werden.
Kompetent,
über Rüstung und Wehrdienst zu entscheiden,
ist die Elite.
Sie ist kompetent,
kämpfen zu lassen,
töten zu lassen,
getötet werden zu lassen.
Die Bevölkerung ist kompetent,
die Interessen des Landes
der Elite zu überlassen.

 

Finanzierungssorgen

Deutschland, sagt der sozialdemokratische Verteidigungsminister,
wird die Bundeswehr zur stärksten Armee Europas aufrüsten,
„Personalaufwuchspläne“ liegen auf dem Tisch.
Die deutsche Armee wird stärker sein als die französische –
eine Schwachstelle bleibt freilich die Atombewaffnung.
Zu hoffen ist,
bei Bildung, Gesundheit und Altersversorgung wird entsprechend gespart,
damit das Budget nicht explodiert.

 

Die Vielen und die Wenigen

Da sind die Vielen,
an den Waffen,
in Kampfflugzeugen,
in Panzern,
an Drohnenanlagen,
an Geschützen,
an Raketenabschussrampen.
Das sind die Vielen,
die sterben,
die für ein freies Leben sterben,
wird ihnen gesagt.
Auf beiden Seiten sterben sie für ein freies Leben.

Dort sind die Wenigen,
sie investieren und organisieren die Produktion
von Kampfflugzeugen,
von Panzern,
von Drohnen,
von Geschützen,
von Raketen.
Das sind die Wenigen,
die nicht sterben,
auf beiden Seiten der Front nicht sterben.
Sie lassen sterben für ihr freies Leben,
sie lassen sterben für ihr reiches Leben.

 

Resümee

Sie wollten uns vernichten,
jetzt haben wir sie vernichtet.

 

Aufforderung zum Frieden

„Auweh!!! – Schlag doch nicht zurück!“

 

Abschlussprüfung auf der Militärakademie

Eine Schlacht bringt 10.000 Tote aufseiten des Gegners.
Wie viele Schlachten musst Du führen,
wenn Du auf 30.000 Tote kommen willst?
Erläutere den Lösungsweg!

 

Verbrechensbekämpfung

Was für ein Fortschritt!?
Heutzutage kann man auch im Krieg Verbrechen begehen.