Ökologisches

Schnitterlied

(Hommage an einen anonymen Dichter)
Es ist ein Mähdrescher, heißt der Tod,
hat Gewalt von den Agrarkonzernen.
Schon wetzt er das Mähwerk,
als der Schnitter schneidt es viel besser.
Bald wird er drein schneiden,
Du musst es leiden,
kannst Dich nicht davor hüten,
schöns Blümelein.

Es ist ein Spritzmittel, heißt der Tod,
hat Gewalt von der chemischen Industrie.
Sense und Hacke tun’s heute nimmer,
Chemie tötet viel besser.
Viele Millionen Blümelein und Tiere müssen’s leiden,
können sich nicht hüten vor der Chemie.

Was heut noch grün und frisch da steht,
morgen ist’s verwelkt.
Was heut noch kreucht und fleucht,
morgen summt’s nicht mehr.
Viele hundert tausend ungezählt,
was den Spritzmitteln zum Opfer fällt.

Es ist der Mensch, heißt der Tod,
hat Gewalt von der Waffenindustrie,
ist höchst innovativ,
vernichtet immer besser.
Viele Menschen müssen’s leiden.
Lassen Tod und Töten sich vermeiden?

Ihr Blümlein, Tiere, Menschen,
trotzt Ihr dem Tod und fürchtet Euch nicht?
Hofft, Ihr werdt versetzt in den himmlischen Garten?
Den gibt’s nach dem Tode nicht,
nicht für Blümlein, Tiere, Menschen.
Sinnlos, auf diesen Garten zu warten.
Werden sich die Menschen besinnen?
Sehen wir sie damit beginnen?

 

Zerstörung der Natur

Wer zählt die Vögel, weiß ihre Namen,
wer kennt der Blumen Vielfalt,
die auf dieser Wies’ zusammenkamen?
Wer nennt die Kräuter, ist kundig ihrer Kraft,
die Kranken Heilung schafft?
Wer nennt die Namen all der Tiere,
die unten kreuchen, oben fleuchen
und auf der Wiese konferieren
über den Krieg der Menschen gegen die Natur
auf Feld und Wald und weiter Flur?

Das Kennen, Nennen, Wissen, Zählen
wird, Mensch, dich bald nicht länger quälen,
denn Arten sterben Jahr für Jahr.
Gefräßig ist, oh Mensch, Dein Bauch und Deine Börse,
sie macht die Erde zu Beton und einer Abfallhalde.
Warte nur, balde
liegt auch deine Art auf dieser Halde!

 

Weltuntergang

(Mit Anleihen von Heinrich Heine)
Ich weiß, was es bedeutet,
dass ich so traurig bin:
kein Lied wird in künftigen Zeiten
erreichen mehr meinen Sinn.

Der Verstand ist kühl und dunkel geworden,
sieht nur noch Gewinne funkeln
im Börsensonnenschein,
ist blind für das Artensterben,
es zählen Profite allein.

Die Kurse flitzen in die Höhe,
gehen nach oben, wie wunderbar;
fantastische Profite blitzen
und machen neue wieder wahr.

Profit ist des Profites Amme,
gebiert er,
singt sie ein Lied dabei,
das hat eine wundersame
gewalttätige Melodei.

Die Natur hat er im Griffe,
sie ergreift ein wildes Weh.
Er negiert die Felsenriffe,
sieht nicht: die Temperatur
steigt stetig in die Höh.
Ich glaube, die Wellen verschlingen
am Ende die Welt und ihren gierigen Wahn.
Und das haben mit ihrem betörenden Singen
Kapital und Finanzmarkt getan.

 

Die Eisheiligen am Smartphon

Die Eisheiligen lassen sich auch nicht mehr blicken,
wir können aber auf unserem Smartphon
ein Spielchen anklicken und schon
ist unser Garten in der Vorklimawandelzeit,
in der es noch Frost gibt und schneit.
Und pünktlich am 11. Mai
eilen am Smartphon die Eisheiligen herbei,
und mit einem weiteren Klick auf die Tasten
können wir Marillen- und Pfirsichknospen erfrieren lassen.
Am sechzehnten Mai ist dann alles vorbei,
wir loggen aus der App uns aus,
und schon ist es wieder warm und heiß,
schon dürsten Pflanzen und Tier.
Wer hält ein solches Elend denn aus?
Da loggen wir uns schnell wieder ein.
Was brauchen wir die reale Welt,
wenn die virtuelle uns besser gefällt!
Doch heuer sind die echten Eisheiligen in die Realwelt gekommen
und haben uns alle Marillen genommen.
Ach Gott, was für ein Chaos ringsumher,
auch auf den Klimawandel ist ein Verlass nicht mehr.
Doch zum Glück genügt auf dem Smartphon ein Klick
und wir sind im Augenblick in einer Welt,
die uns mit einem Überfluss an Marillen gefällt.

„Mama, Mama! Wo ist denn die Marillenmarmelade?“
„Lieber Bub, Blüten und Knospen sind alle erfroren, schade!
Hol Dir zur Not aufs Smartphon die Marmelade
und streich sie Dir aufs Butterbrot!“
„Danke Mama, super schmeckt das, mega gut!“

 

Kommt ein Vogel geflogen

Kommt ein Vogel geflogen
setzt sich nieder auf den Fuß
eines Ornithologen
und zwitschert einen Gruß.

„Liebes Vöglein, sei willkommen!
Sag, warum fliegst Du nicht weiter
hoch hinauf auf einen Baum
und singst Dein Lied dort froh und heiter?“
Da singt der Vogel ganz beklommen,
unterdrücket seine Tränen kaum:

„Was soll ich denn bloß tun?
Es bleibt mir nur Dein Fuß zum Ruhn,
denn wenn ich in den Himmel steig,
da seh ich doch nur tote Bäume unter mir,
seh keine Blumen, kein Getier auf vertrockneter Flur!“

„Lieber Vogel, flieg nicht weiter,
bleibe sitzen auf meinem Fuß!
Dein Gesang, er mach uns heiter
in unsrem aussichtslosen Kampf
für die Erhaltung der Natur!“

„Lass uns hier zusammen kämpfen!
Mein Gesang mög unser Leiden dämpfen,
etwas Bessres als den Tod,
das finden wir ja nirgendwo.“

Der Ornithologe erwacht.
Was für ein sonderbarer Traum!
Er lacht:
Ich geh jetzt Vögel schauen,
solange sie’s noch gibt,
denn balde
wird Schweigen sein im Walde.
Und balde
ruht die Menschheit auch.

 

Kampf gegen den Klimawandel im elegischen Distichon

(Nach Friedrich Schillers Distichon)
Stetig steigen die Klimaziele von Gipfel zu Gipfel,
in der Praxis darauf falln’s dem Vergessen anheim.

 

Dinosaurier

Jüngst wurde in Argentinien eine neue Dinosaurierart gefunden,
ein gefräßiger Raubtierdinosaurier,
ein Megaraptor.
Seine Gefräßigkeit hat seine Nahrungsquelle und ihn selbst vernichtet.
Die Paläontologen verpassten ihm den Namen Homo vorax stupidus,
weil er dem Menschen gleicht in unersättlicher Gier und Dummheit.