Politisches und Sozialkritisches

Gesucht: Eine neue Erzählung für Europa

Wir brauchen eine neue Erzählung für Europa.
Es drängt!
Die alte Erzählung, die vom Friedensprojekt,
zählt nicht mehr.
Frieden war gestern, Brüder und Schwestern!
Die alte Erzählung hat ihre Schuldigkeit getan, sie kann gehen.
Wovon jedoch sollen wir den jungen Leuten ab jetzt erzählen?
Vom Kriegsprojekt Europa?
Wie können wir sie denn damit beseelen,
das Feuer der Begeisterung in ihnen entfachen,
sodass sie für Europa brennen, sterben?
Festungsbau, Aufrüstung und Kriegstüchtigkeit,
das sind die Geschichten der Zuversicht in unserer Zeit,
des Heldentums, des Verzichts aus wehrhafter Vernunft!
Der Krieg der Zukunft ein spannendes Videogame,
in dem auf Knopfdruck, nicht auf dem Bildschirm bloß,
Menschen im Gleitbombenhagel zugrunde gehen,
in dem KI ihre Intelligenz erst so richtig entfalten kann.

Für zarte Gemüter und empfindsame Seelen
darf in der Erzählung nicht fehlen,
dass wir die Hüter von Freiheit, Menschenrechten und Demokratie sind.
Für ihren Sieg bereiten wir den Krieg vor.
Wir sind das Land der Hämmer,
nicht der Opferlämmer,
lasset uns den Ernst der Lage in die Köpfe hämmern.
Eine neue Hymne lasst uns singen,
nicht mehr von der Freude und dem Götterfunken,
eine neue Hymne mag uns leiten,
mag Kampfgeist allerorts verbreiten:
Mutig und kriegstüchtig in die neuen Zeiten lasst uns schreiten!

NATO-Beitritt

Österreich, mein Land, zu Berge
stehen mir die Haare!
Lebten Deine arbeitsfrohen Zwerge
jetzt viele Jahr in Frieden,
so bist Du nun von Deinen Nachbarn heiß umfehdet
und Russland erhebt ein mächtigs Kriegsgeschrei.
Geh Du mutig in die neuen Zeiten,
lass jetzt die Neutralität beiseiten!
Einig lass in Jubelchören
der NATO Deine Treue schwören!
Lass Dich keinesfalls betören
von den naiven Friedenssäuslern,
die hysterisch über Rüstung sich empören,
denen sich die Zehennägel kräuseln,
wenn sie nur das Wörtchen „Waffen“ hören.
Österreich,
mach es den zwei anderen Neutralen gleich
und maschier in Schritt und Tritt
in der Nordantlantik-Wertegemeinschaft mit!
Rüste auf auf zwei, noch besser wären drei Prozent vom Sozialprodukt,
damit der Russ sich duckt und verdruckt!
Und uniformiere Deine Töchter, Söhne,
die begnadet sind fürs Schöne,
stecke sie in eine schöne Austrotracht,
die aus ihnen etwas hermacht!

Mit vertauschten Rollen

„Amerika, Amerika über alles,
über alles in der Welt!“

„Make Germany great again!“

Zur Teilnahme Trumps am Nato-Gipfel (25. Juni 2025)

(Hommage an Friedrich Merz)
Arschkriecherei ist eine Drecksarbeit.

Trump

Liebe war es auf den ersten Blick,
er war verzückt,
er war verrückt auf sie:
die Zölle.
Total war er darauf versessen, sie zu verhängen.
Kein Land wollt er dabei vergessen.
„Hölle auf Erden durch Zölle!“
war seine Devise.
Und als die ganze Welt verzollt dann war,
da trieb sein Zoll-Wahn ihn dazu,
den Zugang zu sich selber zu verzollen.
So wurde er sich selbst zu teuer
und ging in den Konkurs.
Es half ihm kein Rekurs,
denn alle Gerichte waren abgeschafft.
Hinter Zollschranken gefangen,
hielt eine dunkle Geistesnacht ihn fest umfangen.

Kurz

Nur kurz war Österreich, zum Glück!
eine Lausbubenrepublik.
Der Lausbuben waren aber nicht nur zwei,
wie in Wilhelm Buschens Bildergeschicht,
es waren noch ein paar weitere Buben dabei.
Ihrer Streiche waren mehr als sieben.
Man meint, sie wurden wie bei Busch zum Schluss zerrieben
und Gott sei Dank! nun sei’s vorbei mit der Übeltäterei.
Doch sind die schlimmsten übrig geblieben
und warten auf die nächsten Wahlen.
Kommen nun noch schlimmere Qualen?

Politikberatung

„Herr Kanzler,
heuer finden keine Wahlen statt,
Gelegenheit, schmerzhafte Reformen durchzuführen.
Bis zu den nächsten Wahlen sind sie vergessen.“
Das ist Demokratie!

Updating der Gewerkschaft

Um die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich zu verbessern,
muss an vielen Schrauben gedreht werden,
sagt die Gewerkschafterin für Pflegeberufe.
Diese Wortwahl zeigt, in welchem Wirtschaftszweig
die Gewerkschaften entstanden sind.
Doch haben sie die technische Entwicklung verschlafen,
sind in der Vergangenheit stecken geblieben.
Mit der Anwendung der Elektrizität hätte es heißen müssen:
Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern,
müssen viele Schalter umgelegt werden.

Und dann bereits vor zwanzig Jahren:
Um die Arbeitsbedingungen zu verbessern,
müssen viele Apps heruntergeladen werden.

Und wie schaut’s heute aus?
Heute macht alles die KI von selbst.
Sie dreht an vielen Schrauben,
sie legt die vielen Schalter um,
sie klickt die vielen Apps an
und flugs sind die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich verbessert!

Künstliche Intelligenz

(Hommage an Johann Wolfgang Goethe)
Angesichts der ungeheuren Potenz
der Künstlichen Intelligenz
sitzt des Zauberlehrlings Panik
der digitalen Gesellschaft im Genick.
Zwischen Philosophen, Soziologen und Politologen
schlägt die KI besonders hohe Wogen.
Ein breiter und tiefer Diskurs setzt ein,
herrschaftsfrei wie er unter Wissenschaftlern sein muss,
über die intelligenten Systeme
und ihre anwendungsbezogenen Probleme:
Die wir riefen, diese Geister,
werden sie denn immer dreister?
Unsre Not ist groß,
werden wir sie nicht mehr los?
Ein gutes Ding braucht Weile,
Diskurse kennen keine Eile.
Der KI-Diskurs, er findt kein Ende.
Wie Fehdehandschuh’ werden Argumente
hingeworfen, aufgenommen und verworfen.
Inzwischen haben Algorithmen
die Herrschaft übernommen
und lenken bereits den Diskursverlauf.
Der läuft darauf hinaus:
„Ohne mich“, sagt die KI,
„unterscheidet Ihr Euch nicht vom Tier.
Werkzeuge gebrauchen, Sprechen und Probleme lösen
tut auch das Tier,
doch das eigne Leben aus der Hand zu geben,
in meine Hand zu legen,
das könnt nur Ihr.“

Jubel bei der Wissenschaft:
Vorbei ist endlich diese Qual,
immer wieder neue Merkmale finden zu müssen,
die uns vom Tiere trennen,
mit denen wir Menschen uns Menschen nennen!

KI

Klimawandel
Kriege
Hunger in der Welt
Flüchtlingsströme
Bodenversiegelung
Artensterben
Plastikmüll in Umwelt und Meeren

Wie sollen wir diese Probleme lösen?
Überlassen wir sie ruhig der Künstlichen Intelligenz!
Machen wir sie zu ihren Problemen!
Für sie ist die Lösung, wie alles,
ein Kinderspiel.

Sensationsmeldung aus Silicon Valley

Die Bosse der AI-Konzerne haben einen Deal geschlossen:
Die Anwendung und Entwicklung von KI wird ab sofort gestoppt,
die Bosse wollen selber die Welt vernichten.

Flucht

Die Flucht war gescheitert.
War es gescheit,
die Flucht
zu versuchen?
Die Antwort kann er nicht geben,
er ist nicht mehr am Leben.

Vergangenheitsbewältigung

„Vater, Mutter, Ihr hattet im Krieg Zwangsarbeiter auf Eurem Hof.
Warum nur habt Ihr das gemacht?“
„Kind, Du hast gut reden und fragen.“

Traumerfüllung

Der Menschheit Traum:
Der Tot stirbt aus.
Kriegführen und Töten können wir dann
nach Herzenslust!
Es ist ein vergnügliches Töten:
Die Erschossenen sind nicht tot,
Du kannst sie schreien hören
vor Schmerz,
kannst sie ewig leiden sehen
an ihren tödlichen Wunden,
die nicht zum Tode führen.
Ein Videogame braucht es nicht mehr,
dieses Spiel im ewigen Leben macht mehr her.

Das Patriarchat

Er spielt Klavier,
sie spült Geschirr.
Sie kehrt den Boden mit dem Besen,
er tut derweil die Zeitung lesen.
Sie steht tagtäglich in der Küche,
er führt am Stammtisch große Sprüche.
Sie wäscht den Kindern Ärsche und Gesichter,
er schreibt Gedichte, spielt den Dichter.

Putzte auch er und stünd‘ am Herd,
dann wär die Welt nicht mehr verkehrt:
Klavier zu spielen hätte sie dann Zeit,
zum Zeitunglesen die Gelegenheit,
die Zeit zum Dichten könnt auch sie sich geben,
anstatt zu stopfen.
Doch eines fehlte wohl in ihrem Leben:
Am Stammtisch große Sprüche klopfen.

Geschlechterkleiderordnung

Oh, wie gut tut es dem Mann,
hat er ein luftigs Leiberl an
und eine kurze Hos,
ist die Hitz im Sommer groß.
Von der Stirne heiß
rinnen muss kein Schweiß.
Eine Frau geht in derselben Sommerhitze
neben ihrem luftig gekleideten Mann,
hat bodenlange schwarze Kleider an,
und schaut durch einen Gitterschlitz
in die Welt hinaus und schwitzt.

Kleingartenidylle

(Hommage an Gerhard Polt)
Wo Thujensträucher gegen Nachbarsblicke schützen,
wo Drohnen Blicke auf des Nachbarn Treiben werfen,
wo kurzgeschorener Rasen familiäre Sauberkeit versprüht,
wo mähende Roboter Neid und Begehren wecken,
wo Frauen an den Herd, aber nicht an den Gasgrill gehören,
wo nur sie Wäsche, Geschirr und Kinderpopos waschen,
wo alles, was spontan aus dem Boden sprießt, Unkraut genannt wird,
wo‘s keine Sprechverbote gibt, die Zungen zügeln,
wo alte Männer und auch junge mit Bierdosen in den Händen unter sich sind,
wo‘s Klima sich nicht wandelt,
wo Covid höchstens leichten Schnupfen bringt,
wo Männer einander einbläuen, dass sie voll immun sind,
wo Impfen die Potenz bedroht,
wo Männer nach Ordnungmachen rufen,
wo jeder seines Rasens Schmied ist,
wo das Gesetz „Zaun um Zaun“ herrscht,
dort ist Heimatland und Feindesland zugleich.

Gute Nachbarschaft

I sog das, mei Nochba, da Fraunz,
des is a schiacha Hund
und sei Frau is kuglrund
und seine Kinda bled und frech,
sei Auto nur a rostigs Blech,
sei Haus a vafoine Hittn.

Do schau, da kummt da Fraunz ja grod dahea.
Fesch bist, Fraunz, kumm hea!
I woit di eh grod um was bittn:
Des Obflussrohr vaum Klo, des is vastopft.

Wos i nau sogn woitt:
Hüfsbereit is a, da Fraunz,
do kann ma nix sogn!

Erinnerung

Menschen auf Augenhöhe begegnen.
Menschen auf Augenhöhe begegnen und sie abholen, wo sie sind.
Menschen auf Augenhöhe begegnen, sie abholen, wo sie sind, und sie mitnehmen.
Menschen auf Augenhöhe begegnen, sie abholen, wo sie sind, sie mitnehmen und mit ihnen ein Stück des Weges gehen.
Leider war das Stück sehr kurz,
kurz wie ein Furz.

Ungewissheit

„Die Fini hat einen Eisenbahner aus Götzendorf geheiratet,
Der wird’s sicher zum Bahnhofvorstand bringen,
er ist strebsam, und anständig ist er auch.“
„Na ja, als Eisenbahner ist er sicher ein Roter!“
„Ist auch nimmer so sicher.“